Anwohner zeigten Gesicht gegen Verkehrschaos

500 Menschen aus der Neustadt, Huckelriede, Kattenturm, Kattenesch, Arsten und Habenhausen folgten am Sonntag, dem 7.April, der Einladung der Vereinigung der Bürgerinitiativen für eine menschengerechte A 281, um gegen das absehbare mehrjährige Verkehrschaos beim Bau der A281 zu protestieren. Bekanntlich muss der Tunnel zwischen der Neuenlander Straße und dem Zubringer Arsten während der Bauarbeiten für mindestens drei Jahre voll gesperrt werden. Begrüßt wurden die Protestierenden durch BI-Sprecher Jens Körber. Hier finden Sie den Wortlaut.

Gesicht korrigiert

Auf der von der Polizei weiträumig abgesperrten Kreuzung über dem Tunnel erläuterte Jens Körber, dass der Verkehr während der Bauzeit ebenerdig über Behelfsrampen und mit Ampeln an der Dauerbaustelle vorbei geführt werden muss. Das Linksabbiegen von der Kattenturmer Heerstraße auf die Neuenlander Straße und aus der Neustadt auf den Zubringer ist verboten. Dadurch wird der Verkehr in die angrenzenden Wohngebiete gedrückt. Körber zitierte Prognosen der Planungsgesellschaft DEGES. Danach nimmt der Verkehr auf dem Arsterdamm um 29, auf der Habenhauser Landstraße um 30 und auf der Kornstraße sogar um bis zu 64% zu. Damit die Kornstraße und die darunter liegenden teilweise maroden Kanäle diese zusätzlichen Belastungen vor allem durch Lkw überhaupt aushalten können, sollten sie vorher saniert werden. Davon sind die Planer auch aufgrund von Protesten der ansässigen Gewerbetreibenden inzwischen abgerückt, teilten sie auf einer Informationsveranstaltung am 2.4. in der Neustadt mit. Die Kanäle müssten aber intensiv beobachtet werden. Einen Plan B gäbe es nicht, sagte Jörn Kück von der DEGES.

Zum kompletten Verkehrsinfarkt im Bremer Süden wird es kommen, so Jens Körber, wenn es zeitgleich zum Bau der A 281 auch noch Unfälle oder gar Baustellen auf der A1 gibt. Dann seien sämtliche Arterien gleichzeitig verstopft. Hier ist die ganze Rede.

Norbert Breeger, der sich mit Jens Körber seit 12 Jahren die Aufgabe als Sprecher der Vereinigung teilt, stellte infrage, ob der Bauabschnitt 2.2 der A281 zum Zubringer Arsten überhaupt nötig ist. Mit ihm, so Breeger, wird kein Autobahnring um Bremen geschlossen, sondern eine Autobahn durch Bremer Wohngebiete gebaut. Die Autobahn im Bremer Süden sei nicht nach den Prinzipien von Wahrheit und Klarheit geplant worden, sondern nach der Methode „Tarnen, Tricksen, Täuschen“. Keine der Begründungen für die Autobahn sei wirklich stichhaltig. Es würden mehr Wohngebiete zusätzlich belastet statt entlastet. Der Nutzen des Autobahnteilstücks für den überregionalen Verkehr, die Weserbrücken und die Innenstadt und zehntausende von Berufspendler sei gleich Null. Und, so Breeger wörtlich: „Die Staus auf der Neuenlander Straße wären schon seit 2008 Geschichte, wenn die Autobahn am Neuenlander Ring wie beschlossen vierspurig und ampelfrei zuende gebaut worden wäre.“ Die Bürgerinitiativen fordern deshalb: „Baut endlich die Auf- und Abfahrt am Neuenlander Ring!“ Falls wirklich zur Lösung der vorhandenen Verkehrsprobleme eine neue Straße notwendig sein sollte, ist für die Bürgerinitiativen nur eine Lösung zukunftsfähig und akzeptabel: die Bundesstraße 6neu unter dem Flughafen hindurch zur A1 nach Brinkum.

Rede Norbert Breeger 01 und Rede Norbert Breeger 02

Bernd Nehrhoff beschrieb die Auswirkungen der vorliegenden Pläne für Arsten und Habenhausen. Der Zubringer Arsten solle zur Autobahn hochgestuft werden. Jede Autobahn, so Nehrhoff, ziehe zusätzlichen Verkehr an und produziere damit mehr Lärm und Abgase. Viele Wohngebiete in Arsten und Habenhausen seien schon jetzt zum Teil infernalisch durch den Lärm des Zubringers und der A1 belastet. Es gäbe keinen oder nur einen sehr lückenhaften Lärmschutz. „Es ist keine Lösung, einfach nur die gelben Bundesstraßenschilder gegen die blauen der Autobahn auszutauschen. Was wir brauchen ist schon jetzt ein verbesserter lückenloser Lärmschutz“ forderte Nehrhoff. Eine Führung der A281 zum Zubringer Arsten lehne er strikt ab. Straßen würden für die Generationen der Kinder und Enkelkinder gebaut. Deshalb käme als einzige nachhaltige Lösung und Neubaustrecke auch für Arsten und Habenhausen nur die Bundesstraße 6neu unter dem Flughafen hindurch nach Brinkum infrage.

Demo Redner Klein

Für die Bürgerinitiativen sprachen Bernd Nehrhoff (2. von links) und daneben Uwe Ahlers, Norbert Breeger und Jens Körber

Rede Bernd Nehrhoff

Auf die Konsequenzen der Planungen und der Bauphase für Huckelriede ging direkt vor dem Tunnel Uwe Ahlers ein. Eine der Begründungen für den Bauabschnitt 2.2 sei gewesen, damit werde das Valckenburghquartier zwischen Neuenlander Straße und Kornstraße entlastet. Doch die versprochenen Lärmentlastungen fielen wesentlich geringer als vorhergesagt aus, und viele aus dem Wohngebiet müssten sogar dauerhaft mehr Lärm und Abgase ertragen. „Die Bauzeit eingerechnet sind wir Menschen in Huckelriede die Verlierer des ganzen Planungswahnsinns“, so Uwe Ahlers.

In den letzten Jahren sei einiges in die Wohnumfeldverbesserung im Valckenburgquartier investiert worden. Doch was nütze das, wenn die übrige Infrastruktur durch ständige Baumaßnahmen den Bach runtergehe. Uwe Ahlers befürchtete: „Geschäfte, Gewerbe- und Handwerksbetriebe und Gaststätten werden schließen und die letzten verbliebenen Einkaufsmöglichkeiten werden verschwinden.“

Rede Uwe Ahlers

Norbert Breeger schwor die Protestierenden zum Abschluss der Kundgebung darauf ein: "Gemeinsam können wir den Trassenwahn im Bremer Süden stoppen. Dafür brauchen wir aber einen langen Atem." Die Verabschiedung lautete deshalb auch: "Bis zum nächsten Mal."

Die Bürgerinitiativen und von Enteignung bedrohte Familien bereiten sich darauf vor, erneut gegen einen Planfeststellungsbeschluss für den Bauabschnitt 2.2 der A281 vor dem Bundesverwaltungsgericht zu klagen. 2010 waren sie schon einmal erfolgreich. Die Vereinigung und der gemeinnützige Förderverein VMVS e.V. wollen die Kosten und finanziellen Risiken einer Klage so weit wie möglich übernehmen. Denn wer klagt, klagt für alle und darf nicht auf den Kosten sitzen bleiben. Deshalb erbittet der VMVS e.V. schon jetzt Spendenzusagen. Sie werden erst dann fällig, wenn die Prüfung des Planfeststellungsbeschlusses ergeben hat, dass tatsächlich mit Aussicht auf Erfolg geklagt werden kann. Bisher sieht es danach aus.

Das Formular Spendenzusage können Sie hier herunterladen.

Schicken Sie es bitte ausgefüllt an den VMVS e.V. zurück, wenn Sie sich an der Finanzierung einer Klage beteiligen wollen.

 

Buten un Binnen zeigte in der Sendung am 7.4.2019 einen informativen Bericht über die Kundgebung.

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