Die Flughafenumfahrungsvariante der B 6n steht im „vordringlichen Bedarf“ des neuen Bundesverkehrswegeplans. Laut Projektdossier des Bundesverkehrsministeriums führt diese geplante vierspurige Bundesstraße entlang des Flughafens nur über Grünflächen und Ackerland und niemand werde durch sie neu oder zusätzlich belastet. Die direkt neben dem Flughafen liegende Wolfskuhlensiedlung wird trotz detaillierter Einwendungen der Bürgerinitiativen zum Entwurf des BVWP immer noch mit keinem Wort erwähnt, obwohl auf dem Übersichtsplan klar zu erkennen ist, dass die Trasse ein Wohngebiet anschneidet.

Inzwischen wissen wir: Nicht der Bund ist an dieser Wirklichkeitsverleugnung schuld, sondern Bremen. In der uns nach langem Drängen endlich vorliegenden Projektanmeldung von 2013 tauchen zwar die Wilhelm-Kaisen-Oberschule in Huckelriede, das Krankenhaus Links der Weser und die Volkshochschule Bremen-Süd auf, nicht jedoch die Wolfskuhlensiedlung und die in ihr lebenden Menschen. Wohn- und Kleingartengebiete gibt es angeblich nur südlich des Flughafens, aber nicht in seiner direkten Nachbarschaft (Projektanmeldung, S.7/8).

Das ist umso erstaunlicher, als für die Beurteilung der „umweltfachlichen Gegebenheiten“ laut Projektdossier die Variante IV des Runden Tisches von 2008/2009 zugrunde gelegt wurde. Der Abschlussbericht des Runden Tisches beschreibt sie zusammenfasend: „Umfahrung des Flughafengeländes unter Inanspruchnahme von Wohn- und Kleingartengrundstücken in der Wolfskuhle“

Klar sehen klein

Foto: Renate Neumann-Breeger

Im Rahmen des Runden Tisches wurde im Auftrag des Verkehrsressorts von der Firma A+S Consult eine detaillierte Sensitivitätsanalyse durchgeführt. Sie kommt zum Ergebnis, dass für die Variante IV 5 Wohngebäude und 31 Kleingärten abgebrochen werden müssen (S. 34). Zusätzlich zur endgültigen Flächenbeanspruchung müssten für den Bau weitere 0,56 ha in Anspruch genommen werden (S. 31). Nichts davon taucht in der Bremischen Projektanmeldung auf. Die aufwändige Untersuchung wird nicht einmal im Quellenverzeichnis erwähnt. Dabei haben die Bremische Bürgerschaft und der Senat ihre einstimmigen Beschlüsse für die B 6n – Vorzugsvariante unter dem Flughafen hindurch und gegen eine Flughafenumfahrung genau wegen der Ergebnisse des Runden Tisches getroffen.

Es entsteht der Eindruck, dass zumindest Teile des Verkehrsressorts und der Planungsgesellschaft DEGES versuchen, die politischen Vorgaben des Parlamentes zu unterlaufen.

In der Bürgerschaftssitzung am 24.8.2016 hat die Bremische Bürgerschaft das Nein zur Flughafenumfahrung noch einmal mit großer Mehrheit gegen die Stimmen von CDU und ALFA bekräftigt und Verkehrssenator Lohse aufgefordert, mit dem Bund weiter über die Finanzierung des B 6n - Flughafentunnels zu verhandeln. Doch wie soll das gelingen, wenn verschwiegen wird, dass durch die Flughafenumfahrung ein Wohn- und Kleingartengebiet zerstört und geschädigt wird und dem Bund stattdessen mitgeteilt wird, niemand sei durch sie neu oder zusätzlich betroffen?

Zwischen den Häusern im Bürgermeister-Mohr-Weg und dem Flughafen liegt nur ein knapp 3 Meter breiter Graben. Dort passt keine vierspurige Bundesstraße hindurch. Der Abriss von Wohnhäusern lässt sich nur vermeiden, wenn die B 6n innerhalb der Flughafengrenze verläuft. Auch dafür gibt es einen von den Planern erstellten Entwurf. Aber der wurde nicht für den Bundesverkehrswegeplan eingereicht.

Weitere Informationen zur Geschichte der Wolfskuhlensiedlung und den Bedrohungen durch die B 6n finden Sie in der Selbstdarstellung der Bürgerinitiative "Rettet die Wolfskuhlensiedlung".

Auch im Digitalen Heimatmuseum des Kulturladens Walle ist die Wolfskuhle Thema. Den Beitrag erreichen Sie über die Selbstdarstellung der Wolfskuhleninitiative.