"Aus zwei schlechten Lösungen eine gute machen - Gleich unter dem Flughafen hindurch nach Brinkum!" war das Motto einer Bürgerversammlung, zu der die Vereinigung der Bürgerinitiativen für eine menschengerechte A 281 in den Gemeindesaal der Markusgemeinde am Arsterdamm eingeladen hatte. 120 Anwohnerinnen und Anwohner kamen, um sich über den Stand der Planungen für den Bauabschnitt 2.2 der A 281 und die "Bundesstraße 6 neu" informieren zu lassen und mit Abgeordneten aller Bürgerschaftsfraktionen zu diskutieren.

Norbert Breeger und Jens Körber, die Sprecher der Bürgerinitiativen, begründeten ausführlich, weshalb sie den geplanten Bauabschnitt 2.2 zum Zubringer Arsten für überflüssig und schädlich und eine Bundesstraße 6 neu am Flughafen vorbei für völlig inakzeptabel halten. Beide Projekte stehen im Entwurf für den neuen Bundesverkehrswegeplan in der obersten Dringlichkeitsstufe.

Der Baubschnitt 2.2 habe kaum Vorteile für den Verkehr, führe zu mehr Belastungen in vielen Wohngebieten und während der Bauarbeiten würden große Teile der Neustadt und Obervielands im Verkehrschaos versinken. Die Flughafenumfahrungsvariante der B 6n mit einer Anschlussstelle vor dem Wohngebiet Huckelriede, einem Verlauf hinter den Schlafzimmern der Kattenturmer Heerstraße und einer Inanspruchnahme von Wohnhäusern und Kleingärten in der Wolfskuhle richte immense und dauerhafte Schäden an, und, so die BI-Sprecher: "Sie widerspricht einstimmigen Ergebnissen von Runden Tischen und Beschlüssen der Bremischen Bürgerschaft."

Sie forderten von den anwesenden Politikern, die Chancen des neuen Bundesverkehrswegeplans zu nutzen und mit dem Bund darüber zu verhandeln, die B 6n vom Hornbachgelände unter dem Flughafen hindurch nach Brinkum zu bauen und auf die Autobahn zum Zubringer Arsten zu verzichten. Die Sprecher der Bürgerinitiativen rechneten vor, dass diese Lösung kostenneutral finanziert werden kann, wenn die bisher getrennten Gelder zusammengefasst und für den Flughafentunnel verwendet werden. Die Vorschläge der Bürgerinitiativen fanden die einhellige Unterstützung des Publikums. Das Echo der Politiker hingegen war gespalten.

Ralph Saxe (GRÜNE) und Rainer Hamann (SPD) betonten, am Bauabschnitt 2.2 werde nicht mehr gerüttelt. Das habe man auch der Wirtschaft versprochen. Klar sei für sie aber weiterhin, mit ihnen werde es keine B 6n am Flughafen vorbei geben. Dazu hatte Verkehrssenator Lohse Ende April mitgeteilt, weil der Bund den Flughafentunnel nicht wolle, werde die B 6n zunächst in den "weiteren Bedarf" des Bundesverkehrswegeplans zurückgestuft. Auf die Fragen von Bewohnern der Wolfskuhle, wie verbindlich das denn sei und ob sie darauf ihre Lebensplanung aufbauen könnten, gab es von den Politikern keine eindeutigen Antworten.

Beim Thema Bauabschnitt 2.2 war sich Heiko Strohmann (CDU) mit den beiden Koalitionären völlig einig. Bei der B 6n forderte er allerdings, keine Denkverbote zu haben und auch eine Flughafenumfahrung nicht völlig auszuschließen, wenn der Weg unter dem Flughafen hindurch nicht zu realisieren sei.

Ganz anders Nelson Janßen (LINKE) und Dr. Magnus Buhlert (FDP). Sie waren der Auffassung, zur Beseitigung der Staus auf der Neuenlandser Straße und zur Entlastung der Menschen in der Neustadt-Gartenstadt-Süd reiche es aus, für wenig Geld die schon lange beschlossene vierspurige Auf- und Abfahrt am Ende des Bauabschnitts 2.1 am Neuenlander Ring zu bauen. Darüber hinaus unterstützten Beide den von den Bürgerinitiativen geforderten direkten Weg nach Brinkum. Dr. Magnus Buhlert schloss sich ausdrücklich der Formulierung von Norbert Breeger an: "Lassen Sie uns aus zweimal Scheiße einmal Gold machen."

Die FDP reichte kurz nach der Bürgerversammlung einen Antrag an die Bremische Bürgerschaft ein, in dem gefordert wird, die Sperrung des Tunnels zum Zubringer Arsten auf maximal 6 Monate zu begrenzen, falls das nicht möglich sein sollte, die vierspurige Auf- und Abfahrt am Neuenlander Ring zu bauen, als Alternative zum Bauabschnitt 2.2 die direkte Anbindung der A 281 an die A 1 bei Brinkum zu prüfen, und die B 6n nur als Flughafentunnel zu bauen.

Antrag der FDP: "Baustellen- und Verkehrschaos verhindern - Baustellenplanungen für den Bauabschnitt 2.2 der A 281 gehören auf den Prüfstand."

 

Hier finden Sie die Präsentation der Bürgerinitiativen.

Einen Bericht von Radio Bremen 1 hören Sie hier.